top of page
Bild_2025-06-10_125352470.png

​​​​​Schon wieder einen Fehler gemacht? Schon wieder etwas falsch gelaufen?

Mein Fehler, dein Fehler, unsere Fehler, überall Fehler!

Wir sprechen von Fehler,

wenn etwas von unseren Normen, Regeln und Vorstellungen abweicht,

und weil sich daraus Probleme für uns ergeben können,

bemühen wir uns ständig, alles „richtig“ zu machen.

Dass wir dennoch immer wieder Fehler machen,

dürfte eigentlich nicht sein. Tatsächlich ist es aber so.

 

Daher gilt seit Jahrhunderten die Feststellung: Errare humanum est,

das heißt: Menschen machen Fehler -,

als eine allgemein akzeptierte Erkenntnis.

Indem man so die Fehlerhaftigkeit des Menschen

als etwas Unvermeidliches akzeptiert,

macht man sie, obwohl man sie eigentlich verdammt,

irgendwie gesellschaftsfähig.

 

Auf diese Weise können wir es uns selbst aussuchen,

ob wir auf unsere oder fremde Fehler

verständnisvoll regieren oder ob wir sie, wie üblich, verurteilen wollen.

Wenn wir aber bedenken,

dass es menschlich und daher entschuldbar ist, Fehler zu machen,

und dass letztlich niemand genau wissen kann, was richtig und was falsch ist,

kann es ein Fehler sein, jemanden wegen eines Fehlers zu verfolgen.

 

So ist es ja immer: je nach unserer Sichtweise

erscheint uns etwas richtig oder als falsch.

Daher kann es sogar sein,

dass der vermeintliche Fehler objektiv gar keiner ist,

sondern eine unerwartete Möglichkeit zu etwas Neuem.

 

Was aber ist, wenn jemand anscheinend mit Absicht einen Fehler macht -

also „schlecht“ oder falsch handelt?

Das ist eigentlich eine dumme Frage,

denn wenn ein „Fehler“ in voller Absicht gemacht wird,

dann bedeutet das, dass es in Wirklichkeit subjektiv gar kein Fehler ist,

weil der Ausführende davon ausgeht, dass er richtig handelt.

Ein freier Geist riskiert auch Fehler.

Vielleicht verfolgt er damit eine Idee,

die neuartig und fortschrittlich ist,

aber im Werte- und Weltbild anderer Menschen

als nicht nachvollziehbarer Fehler erscheint.

Die Geschichte ist voll solcher Beispiele,

viele wertvolle Entwicklungen und Erfindungen

sind die Folge von „Fehlern“ und Irrtümern.
 

So ist jede Handlung, jede Aussage, jede Idee

je nach Betrachtungsweise richtig und falsch zugleich.

Dies ist ein Grundprinzip unserer dualen, gleichzeitig guten und bösen Welt.

Also: Mach keine Fehler,

aber wenn es dir trotzdem passiert,

sag: einfach: Nobody is perfect !

================================================================================================

Gutes Gewissen

Das Thema „Schuldgefühle“ beherrscht mehr oder weniger unser ganzes Leben. Dass sie sehr quälend sein können, wissen wir alle, und die meisten von uns meinen, man könne ihnen nicht oder nur dadurch entgehen, dass man „Buße“ tut, sich „entschuldigt“, Strafe akzeptiert oder sich vorsichtshalber so benimmt, dass sie gar nicht erst auftreten können. Zweifellos ermöglicht das ein relativ angenehmes und risikoarmes Leben, doch gleichzeitig bedeutet es den weitgehenden Verlust der inneren Freiheit, der Selbstachtung und der Fähigkeit zur Selbstbestimmung.

Sobald (oder falls) wir dies erkennen, erwacht in uns der Wunsch nach Befreiung aus dem „Schuld-Sühne-Terror“. Dazu müssen wir uns aber zunächst darüber klar werden, dass Schuldgefühle wenig mit echter Ethik oder hoher Moral zu tun haben, sondern vor allem ein Ausdruck unserer Angst vor Ablehnung, Verurteilung und Bestrafung sind. Diese hat meist ihren Ursprung in der Kindheit, in der wir weitgehend hilflos der Willkür von Eltern und Erziehern ausgeliefert waren, die uns – notfalls mit Gewalt - zu „anständigen“, gehorsamen und gut angepassten Menschen erziehen wollten.

Übrigens hat auch unser „gutes Gewissen“ etwas mit dieser Angst zu tun: es besteht ja vor allem in der  Erleichterung darüber, dass wir durch Wohlverhalten eine Bestrafung vermieden haben. Denn genau wie in der Kindheit gilt auch heute noch: wenn wir nicht die uns vorgegebenen moralischen oder praktischen Regeln einhalten, wenn wir nicht wohlerzogen und „anständig“ sind, nicht verzichten, uns nicht anpassen oder uns selbst verleugnen, werden wir in irgendeiner Form verfolgt und bestraft – körperlich, sozial oder emotional. Daher fürchten viele Menschen ständig , Fehler zu machen oder Schuld auf sich zu laden, leiden unter schlechtem Gewissen und verurteilen sich selbst für etwas, was sie taten oder was sie sind.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Schuldgefühle zu vermeiden. Die eine besteht darin, dass wir uns davor hüten, aus der Reihe zu tanzen oder kritisch zu sein und bereitwillig alles tun, was von uns erwartet wird, selbst wenn wir es sinnlos oder falsch finden. In diesem Fall arrangieren wir uns realistisch mit den „moralischen“ Regeln und Dogmen, nehmen alles nicht so ernst und mogeln uns irgendwie durch. Da dies aber Feigheit, Selbstverleugnung, Unterwerfung, Heuchelei oder Unehrlichkeit voraussetzt, die wiederum Frustrationen, Niedergeschlagenheit oder Selbstverachtung nach sich ziehen, ist die andere Möglichkeit letztlich die bessere, wenn auch bedeutend mühsamere: Wir bemühen uns, nur so zu handeln, zu denken und zu sprechen, dass wir es vor uns selbst verantworten können und ein gutes „Seelen-Gefühl“ haben. Denn unsere Seele will ja immer nur die Wahrheit. 

 

Worin auch immer unsere Lebensbedingungen bestehen: wenn wir unsere innere Freiheit, unsere Selbstachtung und unsere Eigenverantwortung bewahren (oder wiederfinden), gibt es keinen Grund für Schuldgefühle oder ein „schlechtes Gewissen“. Denn die wirkliche Moral liegt in uns selbst, und wir sind letztlich niemandem außer uns selbst Rechenschaft schuldig. Das echte Gewissen, nämlich unsere innere Stimme, sagt uns, wie wir handeln und welchen Lebensweg wir einschlagen sollen.

Fehler

79274 St. Märgen, Kirchplatz 11, Tel. 07669 93 95 77  Fax 07669 93 95 78  E-Mail: blome@posteo.de

bottom of page