Hoffnung

Es heißt oft, man dürfe niemandem „falsche“ Hoffnungen machen, weil dann möglicherweise die Enttäuschung umso größer sei. Dazu ist zu bemerken, dass man als Patient wenigstens bis zu jenem Zeitpunkt, an dem sich die Hoffnung als Illusion erweist, eine relativ gute Lebensqualität hatte, und dass Hoffnung niemals falsch sein kann, weil wir ohne sie gar nicht leben und schon gar nicht wieder gesund werden könnten. Die meisten, wenn nicht alle, Krankheiten entstehen ja aus Hoffnungslosigkeit, das heißt: negativen Erwartungen gegenüber dem Leben. Diese blockieren nicht nur nachweislich das Immunsystem und alle regenerativen Kräfte, sondern beeinflussen auch unser Verhalten in negativer Weise. Menschen, die nicht mehr hoffen, tun nichts für ihre Heilung, lehnen sinnvolle Therapien ab oder vernachlässigen diese und leben nach dem destruktiven Prinzip: „Es ist alles egal und sinnlos, es hilft ja doch alles nichts!“ Und die Folgen dieses Verhaltens geben ihnen dann auch (scheinbar) recht.

Das entscheidende Kriterium an der Hoffnung ist nicht die Frage, ob sie sich wirklich erfüllen wird, sondern die Möglichkeit, dass sie sich erfüllen kann. In dem Augenblick, in dem ich hoffe, ist sie wirksam, denn sie erzeugt eine gute Stimmung und aktiviert damit alle Heilungskräfte, macht froh und optimistisch. Sie kann also genau in diesem Augenblick gar nicht „falsch“ sein.

Einfache Frage: würden Sie lieber froh und hoffnungsvoll oder voller Angst und negativen Erwartungen sein - und sei es nur jetzt, in diesem Augenblick? Und wäre es nicht schön, wenn sich an diesen hoffungsvollen Augenblick so lange wie möglich weitere hoffnungsvolle Augenblicke reihen würden? Wieviele es sein werden, kann niemand wissen, und das ist in diesem Augenblick auch nebensächlich, denn jetzt ist es ja gut und man kann erwarten, dass dies so bleibt. Wir leben und fühlen immer nur im jetzigen Augenblick, in der Gegenwart; und wenn wir glücklich sind, ist das auch immer nur das Ergebnis eines Gefühls, das wir jetzt haben. Also - warum sollen wir uns dieses Glück vorenthalten? Jeder glückliche Tag zählt.

Die Hoffnung ist wie die Teilnahme an einem Glücksspiel: nicht mitzumachen bedeutet, garantiert kein Glück zu haben, wogegen die Teilnahme immerhin die Tür zum Gewinn offenlässt und zugleich das schöne Gefühl der positiven Erwartung erzeugt. Da wir nicht wissen können, was uns das Schicksal beschert, gibt es für uns immer zwei Möglichkeiten: auf das „Glück“ zu hoffen oder das „Unglück“ zu erwarten. Egal, wie es letztlich ausgeht: solange wir auf unser Glück hoffen, erfüllt uns ein positives Gefühl und ist die Tür zur Besserung offen.